Workshop: Selbstdarstellung

Zusammenfassung

„Wer bin ich im Internet?“ – so lautete die Kernfrage des Workshops, den Studierende der Heinrich-Heine-Universität mit einer 10. Klasse des Humboldt-Gymnasiums in Düsseldorf durchführten. Unter dem Oberthema Selbstdarstellungergründeten und reflektierten die Studierenden den Umgang der Schüler*innen mit sozialen Netzwerken – insbesondere am Beispiel Instagram. 

Zum Einstieg füllten die Schüler*innen anonyme Fragebögen aus, die ein Bild der Nutzung sozialer Medien zeichnen sollten. Das Ergebnis war wenig überraschend: eine große Mehrheit der Schüler*innen fühlt sich ohne den Zugang zu sozialen Netzwerke nicht ausreichend sozial eingebunden. Etwa 25 Prozent der Schüler*innen ist jedoch davon überzeugt, dass sich ihr sozialer Beliebtheitsstatus nicht oder kaum durch ihr virtuelles Auftreten formt. Zudem gaben etwa 70 Prozent an, nur etwa einmal im Monat Posts hochzuladen. 

Den Studierenden war jedoch nicht nur daran gelegen, etwas über das Verhalten der Schüler*innen im digitalen Raum zu erfahren, sie wollten dies auch gemeinsam reflektieren. Hierzu zeigten sie der Klasse zunächst einen Videoausschnitt aus der Serie Black Mirror. In der Folge Nosedivewird ein omnipräsentes Bewertungssystem vorgestellt, das den eigenen sozioökonomischen Status der Nutzer*innen bestimmt und Plattformen wie Facebook oder Instagram ähnelt. Je höher der Beliebtheitsstatus, desto mehr Vorteile genießen die Nutzer*innen. Diese Popularität lässt sich in der Folge jedoch scheinbar nur durch große Aufwendungen und den Verzicht auf Authentizität realisieren. Anhand dieses Beispiels wurden Parallelen zu der eigenen Lebenswirklichkeit herausgearbeitet, wie u.a. das Entstehen einer Scheingesellschaft durch die Filterung von Inhalten im Netz, die oft ein besonders positives, aber wenig authentisches Bild der Nutzer*innen vermitteln.

Nach diesem abschreckenden Beispiel, das vor allem die Schattenseiten der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken thematisierte, zeigten die Studierenden jedoch auf, dass Selbstdarstellung ein Prozess ist, der in zwischenmenschlicher Kommunikation unumgänglich ist und nicht einfach als Eitelkeit abgeschrieben werden darf. Hierzu wurde das Selbstkonzept von George Herbert Mead vorgestellt, welches eine Stimmigkeit zwischen den sozialen Rollenerwartungen und dem unmittelbar agierenden Ich im Selbst propagiert. Im Folgenden sammelten die Schüler*innen in Kleingruppen Instagram-Bilder, die aus ihrer Sicht gelungene und weniger gelungene Formen der Selbstdarstellung zeigten. Die Schüler*innen bewerteten hier Profile, in denen Themen wie Freundschaft, persönliche Interessen und Talente aber auch politisches und ehrenamtliches Engagement vermittelt werden als besonders positiv. Accounts hingegen, die pornographische Inhalte, Statussymbole und besonders gestellte und künstliche Fotos, etc. aufweisen, beurteilten sie als weniger positiv. Auf dieser Basis ergab sich eine fruchtbare Diskussion, die auch schwierige Fragen nach Körperidealen oder Freizügigkeit stellte und den Schüler*innen neue Sichtweisen aufzeigte.

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