Workshop: Genderstereotype

Zusammenfassung

Schülerinnen und Schüler für Geschlechterstereotypen im digitalen Raum zu sensibilisieren, war das Anliegen des Workshops. Zum Einstieg sollten die Teilnehmenden bei der Google-Suche „Frauen sollen“ bzw. „Männer sollen“ eingeben und die ersten Treffer der automatischen Vervollständigung nennen. Letztere greift vor allem auf lokale Trends von Suchanfragen anderer Nutzer zurück. Ergebnisse wie „Männer sollten nicht putzen“ oder „Frauen sollen den Film nicht sehen“ wurden zu einer Mind Map zusammengefasst, welche von den Schülerinnen und Schüler durch weitere Klischees, aber auch Problematisierungen ergänzt wurde. Zur Vorbereitung auf eine anschließende Stationsarbeit verteilten die Studentinnen zwei kurze Textteile.  Während der Text von Pierre Bourdieu ein tiefsitzendes Abhängigkeitsverhältnis der „Weiblichkeit“ thematisiert, greift Margarete Stokowski die beschränkende Normierung eigentlich sehr pluraler sexueller Orientierungen auf.

Die nächste Arbeitsphase bestand aus insgesamt vier Stationen, welche von allen Schülerinnen und Schülern absolviert wurden. In allen Stationen ging es um die Darstellung von Geschlechterrollen im digitalen Raum. Dazu wurden folgende Leitfragen gestellt: Welche Rollenbilder werden dargestellt? Warum ist das vor allem in den sozialen Medien der Fall? Welche positiven und/oder negativen Folgen haben diese Rollenbilder? 

Für die erste Station hatten die Studentinnen Texte deutscher Rapperinnen und Rapper zusammengestellt, welche in äußerst derber und oft beleidigender Sprache Geschlechterrollen und Sexualität zum Thema hatten: 

Fotze, mach mir was zu essen
Und danach gehst du putzen, so wie sich das gehört
Warum denkst du, du wärst was Besonderes

Keine Toleranz! „Nein!“
Wir dulden keine Schwuchteln!
Vertreibt sie aus dem Land! „Raus!“

Die zweite Station thematisierte Beiträge auf der Fotoplattform Instagram, in denen sich die jeweiligen Personen entweder sehr konform mit klassischen Geschlechterrollen darstellten oder gängige Grenzen provokant überschritten. Interessant waren die jeweiligen Kommentierungen der Beiträge, welche zwar durchaus mal aufmunternd, oft aber beleidigend waren.

Die dritte Station thematisierte zum einen eine humoristische Kolumne von Margarete Stokowski zur Beschäftigung mit Geschlechterrollen etc. im schulischen Unterricht.  Zum anderen bezeichnet Laurie Penny die Figur James Bond in ihrem Buch „Bitch Doktrin“ als „Verkörperung der verunsicherten Männlichkeit des 20. Jahrhunderts“ und problematisiert die filmische Heroisierung einer eigentlich höchst problematischen Figur.

Die vierte und letzte Station zeigte zwei kurze, humoristisch gemeinte Videos deutscher YouTuber. Das eine zeigte in Form kleiner Sketche „sieben Dinge, die [angeblich] jedes Mädchen kennt“. Darunter fielen beispielsweise bestimmte Verhaltensweisen von Frauen beim Schminken und Shoppen, aber auch ein geheimer Toilettenpapierkauf. Im anderen Video wurden auf verschiedene Weise „10 Arten von Männern und Jungs“ dargestellt. Dazu zählten beispielsweise der Macho, welcher allerdings insgeheim ein Pantoffelfeld sei, und der „gute Freund“, welcher doch mal widerspenstiger sein solle, um bei Frauen landen zu können.Im Anschluss an die Stationsarbeit besprachen Schülerinnen, Schüler und Studentinnen die Ergebnisse und ergänzten die zu Anfang angefertigte Mind Map. Die grundsätzliche Problematik von normierenden Geschlechterrollen war durch die Beispiele allen deutlich geworden. Besprochen wurde dies vor allem am Thema Bullying <?!>. Kontroverser wurde die Fragen diskutiert, inwiefern man aufgrund einer bestimmten Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken auch mit bestimmten Reaktionen rechnen muss. Ausführlicher darüber auch darüber debattiert, welche Bedeutung Rap-Texten beizumessen ist. Sind diese ernst zu nehmen oder doch eher als Konkurrenz um die beste Line <?!> zu sehen? Darf man die Texte überhaupt noch konsumieren oder sollte man sie sogar verbieten? Kann eine solche Sprache beispielsweise im Fall von SXTN auch als Aneignung und Empowerment gedeutet werden?

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