Das Projekt

Die Allgegenwart digitaler Geräte wie Smartphones und PC sowie digitaler Medien verändert die Gewohnheiten, Alltagsorganisation und Beziehungen der Gesellschaft. Neben dem Gewinn an Möglichkeiten der Information, Kommunikation und Unterhaltung geraten zunehmend die problematischen Folgen dieser Entwicklung in den Blick: Hassbotschaften, Fake News, Echokammern und Social Bots sind nur die prominentesten Stichworte für destruktive Tendenzen im digitalen Raum. Altbekannte Phänomene öffentlicher Kommunikation wie populistische und ideologische Rhetorik, Manipulation und Polarisierung entfalten durch die  besondere Struktur digitaler Kommunikation Eigendynamiken, die schwer zu kontrollieren sind. Durch neue Strategien der Werbung wird die Alltagskommunikation zunehmend durch sog. Influencer durchsetzt, ohne dass dies für die Beteiligten erkennbar wird. Problematisch sind auch intransparente Nutzungsbedingungen digitaler Dienste, insbesondere sozialer Plattformen. Die als ‚Big Data‘ bezeichneten Prozesse der Sammlung, Speicherung und Auswertung riesiger Datenmengen im kommerziellen Bereich entziehen sich weitgehend demokratischer Kontrolle und lassen den Schutz der Privatheit als individuelle Angelegenheit erscheinen, doch die Nutzer_innen sind damit in der Regel überfordert. Zusätzlich führt die fast kostenlose Kopierbarkeit ohne nennenswerten Qualitätsverlust, und die beinahe unbegrenzte Verbreitbarkeit von Text-, Bild- und Audiodateien zu Problemen im Bereich des Urheberrechts, dessen praktische Anerkennung in vielen Bereichen schwindet.

Die genannten Entwicklungen erfordern umfangreiche Regulierungen, um digitale Kommuni­kation besser zu gestalten. Politische Maßnahmen wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder die Reform des Urheberrechts können allerdings nur greifen, wenn sie auf der Ebene der Alltagskommunikation auf ein entsprechendes Problembewusstsein und die Bereitschaft zur Umsetzung treffen. Umgekehrt können politische Instanzen solche Folgebereitschaft nur erwarten, wenn sie Prozesse öffentlicher Meinungs- und Willensbildung fördern und deren Ergebnisse aufnehmen.

Innerhalb dieser Prozesse kommt der Vermittlung von Problembewusstsein und Medienkompetenz an Schüler_innen eine Schlüsselrolle zu. Obwohl Schüler_innen heute von Kindheit an über Erfahrungen mit digitalen Medien verfügen und das Netz als Digital Natives maßgeblich mitgestalten, stehen sie den oben genannten Schwierigkeiten meist ähnlich orientierungslos gegenüber wie ihre Lehrer_innen und Eltern. Die Ausbildung der Schüler_innen zu kompetenten Nutzer_innen digitaler Medien ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, den gesellschaftlichen Anforderungen bei der Gestaltung der Digitalisierung in Zukunft gerecht werden zu können.

Unser Projekt zur Ethik digitaler Medien zielt darauf ab, Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien auf drei Ebenen zu vermitteln: mithilfe einer öffentlichen Vortragsreihe, im Rahmen eines Seminars und mit vonStudierenden ausgearbeiteten Workshops für Schüler_innen. Darüber hinaus stellen wir eine Sammlung von Materialien zum Thema bereit.